Feier/Fest anlässlich der Verleihung des Prädikats „Weltnaturerbe“ durch die UNESCO am 27. 6. 2009 auf dem Kurplatz

Rede des Bürgermeisters


Über allen Nachrichten am gestrigen Tage thronte für uns gestern Mittag die Meldung aus Sevilla: Das Wattenmeer erhält das Prädikat „Weltnaturerbe“ zuerkannt. Die Einstufung der weltweit einzigartigen Wattenmeerlandschaft mit bekannten Welterbestätten wie dem Grand Canyon und Great Barrier Reef.
Eine solche Anerkennung kann uns nur glücklich machen. Wir freuen uns darüber - können auch stolz darauf sein. Was das für die Zukunft bedeutet, lässt sich im Moment aber wohl noch nicht wirklich überschauen.
 
Ich hatte eigentlich gedacht, die Rede etwas leichter zu fassen. Verschiedene Fragen und Äußerungen schon gestrigen Tage oder auch Statements heute in Medien haben mich dann aber doch veranlasst, diesen sicher historischen Moment doch ein wenig genauer zu beleuchten. Deshalb hier auch einen Moment länger Geduld.
 
Warum ist das Wattenmeer Welterbe geworden?
Weil die Gegebenheit hier einzigartig sind und weil die natürlichen Verhältnisse die Zuerkennung eines solchen Prädikats erlaubt haben. Das hat auch etwas mit den Menschen hier und im Küstenraum insgesamt zu tun.
Neben die direkte Meeresnutzung durch Fischfang und Schifffahrt trat beizeiten der Tourismus, ausgenommen die industriellen Zentren, die großen Hafenstädte. Der Menschen in unserer Region lebte also stets in direkter Beziehung zu Natur und Umwelt. Ich bin sogar der Ansicht, dass der Tourismus wesentlich dazu beigetragen hat, das Verständnis für die Natur sensibler zu entwickeln. Heute wird eine Symbiose zwischen Natur/Umwelt und Tourismus gesehen.
 
Betrachten wir doch nur Norderney:
Vor 150 Jahren wurden Pflanzungen entwickelt. Vor 120 Jahren eine Kanalisation eingeführt und eine Abfallentsorgung organisiert. Die Infrastruktur wurde also stets mit entwickelt. Vor bald 60 Jahren wurde eine östliche Baugrenze an der Meierei beschlossen, die heute noch Bestand hat. Deshalb sind heute noch mehr als 85 % der Inselfläche naturbelassen. Ebenfalls wurden in der Zeit die ersten Fahrverbote eingeführt. Ein erstes Naturschutzgebiet wurde eingerichtet.
1970 waren wir die ersten, die eine vollbiologische Kläranlage und der Küste hatten. Heute alles auf dem neuesten Stand, ökologische Klärschlammvererdung, Baustoffkreislaufwirtschaft, Blockheizkraftwerk, Nahwärmezentralen, solartechnischer Ausbau, Sanierung von Deponien und Altstandorten, ökologische Tarife bei der Energieversorgung.
 
Das ist nur ein kurzes Abbild dessen, was unsere örtliche Gemeinschaft ausmacht. Es zeugt aber davon, dass hier auf der Insel bei aller Unterschiedlichkeit im Denken immer ein besonderes Bewusstsein für die Umgebung, die Umwelt, mitgeschwungen hat. Von daher können wir als Insel Norderney feststellen: Wir haben unseren Beitrag über die Jahre geleistet, damit das Wattenmeer Weltnaturerbe werden konnte!
 
Nun machen Norderney und die direkte Umgebung in einem Ökosystem von Texel in den Niederlanden bis Fanoe in Dänemark nur einen kleinen Teil aus. Das lässt der Schluss zu, dass überall in der eigentlichen Wattenmeerlandschaft schon aufgrund einer einfach gewachsenen Grundeinstellung mit einer gewissen Sensibilität  gehandelt wurde. Das soll auch künftig so bleiben.
 
Neben der Frage, ob das Welterbegebiet die ökologische Tauglichkeit besitzt, was gerade beantwortet wurde, ging es der UNESCO um zwei weitere wichtige Voraussetzungen. Nämlich der Qualität der nationalstaatlichen Schutzregelungen und die Akzeptanz der Bevölkerung. Mit beidem hatte es so seine Probleme.
 
Noch in den 70er Jahren hatte die Stadt aktiv an einer kommunalen Initiative mitgearbeitet, die im Wattenmeer und in Moorgebieten einen großräumigen „Naturpark Ostfriesland“ entwickeln wollte. Nationalparke gab es da in unseren Breiten begrifflich noch nicht. Abgelöst wurde dieser Gedanke dann durch die ungestüme Einführung des Nationalparks Wattenmeer 1986 durch das Land Niedersachsen. Mit der Aussage: Dadurch ändert sich nichts! und doch wurde es natürlich durch neue Regelwerke anders – traf man insbesondere den Nerv aller Insulaner, die ihre Insel jeweils als ihren und auch von ihnen gestalteten Lebensraum ansehen. Diese Grundeinstellung gilt im Übrigen heute noch.
 
Jedenfalls war der offensichtlich Anfang der 90er Jahre geborene Gedanke, einmal das Prädikat „Welterbestätte“ anzugehen, zu der Zeit völlig abwegig. Noch um das Jahr 2000 herum gab es gar Bestrebungen, den Nationalpark zu kippen.
In einem mehr als zwei Jahre dauernden Diskussionsprozess näherten sich die Kommunalinstanzen und der Gesetzgeber an. Die gefundenen Kompromisse fanden Eingang in das Nationalparkgesetz von 2001. Erst dieser Prozess, das Abrücken von überzogenen Doktrinen und ein Aufeinanderzugehen, hat die Basis für eine zunehmende Akzeptanz des institutionellen Naturschutzes in Form des Nationalparks in der Bevölkerung wachsen lassen. So konnten letztlich Kommunen und viele andere Institutionen, die den Natur- und Umweltschutz nicht als ihren alleinigen Daseinszweck ansehen, dem Antragsverfahren „Weltnaturerbestätte“ grundsätzlich zustimmen.
 
Ausdrücklich wurde seinerzeit auch darüber diskutiert, ob denn nicht die Ausweisung als „Weltkulturerbestätte“ richtiger wäre. Schließlich ist der Küstenraum von seiner gesamten Gestalt her wesentlich durch Kultureinflüsse geprägt. Wenngleich der Gedanke nicht weiter verfolgt wurde, so muss er doch stets Beachtung finden.
 
Während der Bewerbungsphase haben die Landesregierungen Niedersachsen und Schleswig-Holstein immer wieder betont, dass sie zu den gefundenen Nationalparkkompromissen – eingebettet auch in europäische Regelungen – stehen. Die Gesetzeslage ändert sich durch das von der UNESCO vergebene Prädikat nicht.
 
Auch wenn zu einem solchen Ereignis wie jetzt viele ihre jeweilige Bestätigung suchen, so sollten doch zunächst einmal wilde Aufgeregtheiten unterbleiben. Das gilt für den Tourismus mit nur „Hurra“ und der Fixierung auf neue „wirkungsvolle Marktstrategien“ genau so, wie der Aufbau neuer Schutz- und Entscheidungsszenarien auf der Naturschutzseite. Da die Rechtslage keine andere geworden ist, kann die Beurteilung auch nur wie bisher weiter gehen. Tourismus und Naturschutz müssen sich zusammenfinden, um das Welterbe zu erhalten und dies gleichzeitig dem Menschen zu präsentieren und zugänglich zu machen.
Ich bin mir da sicher, dass dieser Weg schon aufgrund der gemeinsamen Interessen am Erhalt von Natur und Landschaft gefunden wird.
 
Die Bedrohungen für das Weltnaturerbe Wattenmeer kommen nicht von innen. Selbst, wenn jetzt auch noch versucht wird, dies gleich an dem Projekt „Golfplatzerweiterung“ auf Norderney festzumachen, sind die bestimmenden Faktoren doch ganz andere. Jenseits der Grenzen auf Landkarten gibt es die rasante Entwicklung von Hafenstandorten wie Eemshaven, Emden, Wilhelmshaven, die Industrialisierung der Nordsee durch Offshoreprojekte. Deren Risiken und Immissionen machen vor Grenzen nicht halt. Damit, der „Außenpolitik“, sollten wir uns eher beschäftigen, als mit noch nicht einmal beantragten Projekten, bei denen entscheidungserhebliche Grundlagen noch nicht geprüft sind bzw. überhaupt vorliegen.
 
Ich wünsche mir, der Insel und Ihnen, den Gästen, auf Sicht eine steigende Qualität des Tourismus im Weltnaturerbe.

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