Mit dem Erwerb der denkmalgeschützten Mühle im Jahr 2022 hatte die Stadt die Absicht verfolgt, eines der prägenden Wahrzeichen der Insel dauerhaft zu sichern und einer verlässlichen und wirtschaftlichen Nutzung zuzuführen. Daran anknüpfend war es das Ziel, gemeinsam mit einem Architekturbüro ein zukunftsweisendes Konzept für die grundlegende (notwendige) Sanierung und Umgestaltung des Erdgeschosses zu entwickeln. Dabei stand im Vordergrund, den ursprünglichen Charakter der Mühle wieder stärker zur Geltung zu bringen und gleichzeitig eine moderne und funktionale Gastronomie zu integrieren.
„Unser Anspruch ist es, die Mühle nicht nur zu erhalten, sondern sie wieder zu einem selbstverständlichen Bestandteil des öffentlichen Lebens auf Norderney zu machen“, erklärt Bürgermeister Frank Ulrichs. „Im Mittelpunkt steht für uns, ihre Geschichte zu bewahren und ihre Bedeutung für die Insel neu erlebbar zu machen.“
Die Ausgangssituation war dabei sehr anspruchsvoll, weil die bestehenden Gastronomie- und Funktionsräume stark verbaut sind, sich auf unterschiedlichen Ebenen befinden und damit nicht barrierefrei sind. Hinzu kommen die hohen Anforderungen des Denkmalschutzes bei den geplanten Eingriffen sowie die Notwendigkeit, das Projekt langfristig zumindest in einem vertretbaren wirtschaftlichen Rahmen darzustellen.
Anfang 2025 wurde das Architekturbüro Ulpts Architekten mit der weiteren Planung beauftragt. Zunächst erfolgte eine umfassende Untersuchung des Bestandsgebäudes, bei der auch verschiedene bauliche Prüfungen und Materialproben durchgeführt wurden.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen bestätigten im Wesentlichen die bereits im Vorfeld bestehenden Einschätzungen, wonach die vorhandene Bausubstanz größtenteils nicht mehr den Anforderungen an eine nachhaltige Nutzung entspricht. Vor diesem Hintergrund wurde in enger Abstimmung mit dem Landkreis Aurich, insbesondere mit der Unteren Denkmalschutzbehörde, sowie unter Einbindung der politischen Gremien entschieden, die Planungen für die künftige Gastronomie grundlegend neu auszurichten.
Konkret bedeutet dies, dass für den Gastronomiebereich ein Neubaukonzept entwickelt werden sollte, während die bestehenden, nicht mehr erhaltenswerten Nebenanlagen zurückgebaut werden.
Im Zuge der vertieften Planung und unter Berücksichtigung der aktuellen Rahmenbedingungen wurde jedoch zunehmend deutlich, dass eine Umsetzung der seit Frühling 2025 geplanten Maßnahmen für den Neubau der Gastronomie an der historischen Mühle derzeit leider nicht wie von uns gewünscht realisiert werden kann.
Hauptgründe hierfür sind die Baukosten, die sich im Verlauf der Planungen deutlich über die ursprünglichen Erwartungen hinaus entwickelt haben und derzeit mit bis zu 4 Millionen Euro prognostiziert werden, sowie die Tatsache, dass in zwei aufeinanderfolgenden Ausschreibungsrunden kein geeigneter Betreiber für die zukünftige Gastronomie gefunden werden konnte.
Gerade bei einem Projekt dieser Art ist es jedoch erforderlich, einen langfristig verlässlichen Pächter frühzeitig einzubinden, damit betriebliche Anforderungen, etwa an die Planung und Ausstattung der Küche, bedarfsgerecht berücksichtigt werden können. Ohne eine solche partnerschaftliche Grundlage ist eine Umsetzung des Projekts aus Sicht der Stadt derzeit nicht verantwortbar.
Ungeachtet dieser Entwicklung hat die Stadt die Planungen konsequent weitergeführt. Derzeit wird der Bauantrag vorbereitet, dessen Einreichung beim Landkreis mit Nachdruck vorangetrieben wird. Ziel ist es, eine baurechtliche Grundlage für eine spätere Umsetzung zu schaffen.
Die zu erwartende Baugenehmigung besitzt eine Gültigkeit von drei Jahren, mit der Option auf Verlängerung. Damit bleibt das Projekt grundsätzlich bestehen und kann zu einem späteren Zeitpunkt unter veränderten Rahmenbedingungen wieder aufgenommen werden.
Bürgermeister Frank Ulrichs betont, dass das Projekt „Mühle Selden Rüst“ aufgrund seiner Einzigartigkeit und seines hohen Identifikationswertes weiterhin ein wichtiger Bestandteil der städtebaulichen Entwicklung bleibt. Die aktuelle „Zwangspause“ eröffnet zugleich die Möglichkeit, die bisherigen Überlegungen noch einmal grundlegend zu überdenken und neue Perspektiven für das historische Baudenkmal in die weitere Entwicklung einzubeziehen.
Ziel bleibt es, die Mühle und ihren Vorplatz so weiterzuentwickeln, dass ihr historischer Wert gewahrt bleibt und sie zugleich den Interessen von Bürgerschaft und Gästen entsprechen.
Die Stadt Norderney dankt Herrn Möckel und seinem Team für ihr Engagement bei der Bewirtschaftung des Mühlenvorplatzes im Rahmen der Zwischennutzung in den vergangenen zwei Jahren. Durch ihren Einsatz ist es gelungen, den Vorplatz zu beleben und ihn als Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste zu erhalten.
Neue Zwischennutzung 2026:
Es ist uns eine große Freude, dass nun mit Frau Kettler und ihrem Café „Meer Waffel“ eine auf Norderney langjährig tätige und sehr engagierte Gastronomin für die diesjährige Zwischennutzung auf dem Mühlenvorplatz gewonnen werden konnte. Geplant ist ein romantischer Sommersonnengarten mit selbstgemachten Speisen. Es wird ein Schwerpunkt auf Regionalität und Saisonalität gelegt. Das Sortiment umfasst diverse Heiß- und Kaltgetränke sowie Süßspeisen wie auch kalte und warme herzhafte Gerichte, u.a. Flammkuchen, Eintöpfe, Brotzeit. Zurzeit werden die notwendigen Genehmigungen für den Betrieb eingeholt.
